Positiver Rassismus ?

“Manchmal möchte man ein großes langes Holzbrett nehmen und es dem Inder auf den Kopf hauen” so ein deutscher Tourist, den wir in Rishikesh trafen. 

 Jedoch irgendwie verständlich, wenn man zum hundertsten Mal den dreifachen Preis gesagt bekommt, falsche Züge gebucht werden, Taxifahrer abhauen, nicht- existente Reiseführer bezahlt werden oder der Polizist unbedingt dein (nicht zum Verkauf stehendes) iPhone kaufen möchte.  

Gehört das eben zur Kultur oder ist das einfach reiner Beschiss, frage ich mich oft. 

Muss ich mich jetzt anpassen, da ich ja nur Langzeitgast bin oder soll ich jetzt tatsächlich dieses Holzbrett in die Hand nehmen und dem Inder zeigen, dass sowohl Gehirn als auch Verstand sehr wohl vorhanden ist bei den Touristen? 

Ist es okay, dass Touristen sogar in Parks 5 fachen Eintrittspreis zahlen müssen? Wird dadurch das Weiß = Reich – Bild nicht nur noch gestärkt? 

Das Argument, dass Menschen,die es sich leisten können,bis nach Indien zu fliegen um dort Urlaub zu machen, eben meistens Geld haben, ist schon sehr gewichtig.

Trotzdem wird dieses Bild sehr erhoben und verallgemeinert. Was sich auch an den vielen “can i get a picture with you?” – Anfragen zeigt. Diese Fotos werden daraufhin, dem gesamten Familien- und Freundeskreis gezeigt, um auch jedem den neuen reichen schönen weißen besten Freund zu präsentieren. 

Nachdem ich jetzt 10 Monate mit und in der indischen Kultur gelebt habe,die ich trotzdem sehr schätze und auch immer wieder bewundere, haben sich mittlerweile viele kleine Hürden angestaut die diesen Post hervorbringen. 

Ich persönlich mag es nicht, wie sich dieses Bild in die Köpfe gepflanzt hat und vor allem wie manche Touristen diesen Status genießen und somit auch noch bestätigen. 

Ich hoffe wirklich sehr durch das Leben mit den Menschen hier, zumindest ein paar Menschen zu zeigen, dass weiß zu sein nicht bedeutet reich zu sein, dass wir kein höheres Volk sind, das Europa nicht der Himmel ist und Indien die Hölle (so klingen die Erwartungen und teilweise auch Erfahrungen der Inder). 

Mir wurde in den letzten Monaten bewusst, dass wir auch durch unser Handeln oder nicht Handeln, Menschen unterrichten. Dass wir das Bild das sie von uns  haben beeinflussen können, ihre Einstellung uns gegebüber ändern und im Endeffekt sogar ihr Handeln uns gegenüber bestimmen können. 

Es ist vor allem faszinierend wie wir somit auch Wege ebnen oder eben Hügel bauen können für die Menschen nach uns. Für Menschen nach uns,die ein Land erkunden wollen, von ihm Lernen wollen, MIT den Menschen leben wollen. 

Es macht sehr wohl einen Unterschied ob wir das Bild des weißen, angeblich besseren Menschen annehmen und bestätigen oder ob wir es ablehnen und auf einer Ebene mit den Menschen reden, in deren Land wir zu Gast sind.

Ich weiß, dass das seine Zeit dauert (ganz egal ob mit oder ohne Holzbrett 😉 )aber bin sehr froh, das hier gelernt zu haben. 

Und hoffe und wünsche dieses Bewusstsein allen anderen Touristen ebenso. 

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One comment

  1. Positiver Beitrag. Was glaubst du, wie viele Generationen Indiens braucht man, um diese Einstellung in der Bevölkerung zu ändern? Wie hoch muss das Lebensniveau Indiens steigen, um diese Einstellung in der Bevölkerung zu ändern? Glaubst du tatsächlich, es ist noch während unseres Lebens möglich?

    Wenn du diese Frage mit “ja” beantwortest, frage ich gern nach historischen Beispielen. 🙂

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